Samstag, 24. Dezember 2016

»Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!«

Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glasé.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn,

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
»Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!«

Und frohgelaunt spricht er vom ›Weihnachtswetter‹,
mag es nun regnen oder mag es schnein,
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.

So trifft denn nur auf eitel Glück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden ...
»Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.«
 
(Kurt Tucholsky)
Gedicht/Tucholsky/Weihnachten/Großstadt

Kommentare:

  1. Liebe Jo,
    dieses Gedicht kannte ich ja noch gar nicht!
    Dir auch schöne Weihnachtsfeiertage!

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  2. Liebe Jo,
    danke für das schöne Gedicht, auch ich habe es noch nicht gekannt. Ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
    Viele Grüße Doris

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  3. So ist Weihnachten nun mal und Frieden spielen ist oooch janz scheen!
    Fröhliche Weihnachten, liebe Jo!
    Und ganz herzliche Grüsse (sowie ein dickes Dankeschön für die tolle Weihnachtspost!),
    Brigitte

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  4. frohe weihnacht auch dir, liebe jo!

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  5. frohe weihnacht auch dir, liebe jo!

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